Sonntag, 28. Juni 2026
am Schlossgraben des Kirchheimer Schlosses, vor
dem Eingang zum Schlossmuseum am Alleenring
Filderbahnfreunde Möhringen
krupara
Ein Raum in Sombor.
Ein Raum in Kirchheim.
Gleiche Maße, anderer Ort.
Für zwei Wochen arbeiten die Filderbahnfreundemöhringen FFM in einem Raum, der früher eine krupara war — ein Ort zur Verarbeitung von Maiskolben, heute Werkstatt, Lager, Proberaum und Aufenthaltsort zugleich.
Gesammelt werden Geräusche, Gespräche, musikalische Fragmente, Beobachtungen und andere Dinge von unklarem Wert.
Hyunjeong Ko
Die Welt dreht sich
Kaffeeröstmaschine, Globus, Holz, Lamettavariable Installation
2024
In der Kaffeeröstmaschine befinden sich kleine Steine und drei globusförmige Stressbälle, wo sich normalerweise Kaffeebohnen befinden würden. Die Maschine setzt ihren ursprünglichen Zweck unaufhörlich fort – doch im Inneren des Glasbehälters rotieren lediglich die Globen. Gemeinsam mit den Steinen bewegen sie sich kontinuierlich weiter und werden dabei langsam abgenutzt. Mit der Zeit verschwinden die Ländergrenzen auf den Oberflächen der Globen, bis sie schließlich als grenzlose Körper weiterrollen.
Colin Thun
Ich lade Sie ein auf eine Konversation, die mit meiner Arbeit und durch diese hindurch stattfindet. Ich gewähre ihnen nur Einlass auf meine Seite der Scharte, wenn sie die Parole erraten oder wissen. Sollten Sie aber eine falsche Parole verwenden, entpuppen sie sich als Feind und ich bin gezwungen,
Sie abblitzen zu lassen. Ich freue mich auf Sie und unsere Unterhaltung.
Michael Gompf
Reenact Max Eyth
Max Eyth neu zu betrachten heißt, Technik nicht nur als Fortschritt, sondern als gesellschaftlich wirksames „Medium“ zu verstehen. In Anlehnung an Marshall McLuhan und dessen berühmte Formel „The medium is the message“ richtet sich der Blick dieser Fotoarbeit auf die tiefgreifenden sozialen Veränderungen, die Innovationen auslösen – oft unabhängig von ihrer ursprünglichen technischen Funktion. Medien sind in diesem Sinne nicht nur Kommunikationsmittel wie Zeitungen oder Telefone, sondern auch Infrastrukturen und Maschinen, die Lebensweisen, Arbeitsformen und Wahrnehmung grundlegend verändern.
Max Eyth wird hier als ein solcher „Medienproduzent“ verstanden. Als Ingenieur und Pionier der landwirtschaftlichen Mechanisierung – insbesondere durch seine Arbeit mit dampfbetriebenen Pflugsystemen im Umfeld von John Fowler & Co. – trug er dazu bei, die Landwirtschaft tiefgreifend zu transformieren. Seine Maschinen steigerten nicht nur Effizienz und Ertrag, sondern veränderten soziale Strukturen: Arbeit wurde verdrängt und neu organisiert, ländliche Räume wandelten sich, und neue Abhängigkeiten von Technik entstanden. Diese Folgen waren – ganz im Sinne McLuhans – nicht bloß Begleiterscheinungen, sondern integraler Bestandteil der Innovation selbst.
In dieser Perspektive wird Eyth vergleichbar mit George Stephenson, dessen Eisenbahn weit mehr war als ein Transportmittel: Sie veränderte Raum- und Zeitwahrnehmung, beschleunigte Industrialisierung und Mobilität und prägte gesellschaftliche Entwicklungen nachhaltig. Ebenso wirkten Eyths Maschinen als „Medien“, indem sie neue Formen des Wirtschaftens und Zusammenlebens hervorbrachten.
Die Fotoarbeit in Kirchheim unter Teck greift diese erweiterte Sichtweise auf. Im Format des Coffeetable-Projekts lädt sie dazu ein, Max Eyth nicht nur als innovativen Ingenieur zu verstehen, sondern als Gestalter einer weitergehenden gesellschaftlichen Wirklichkeit. Ausgehend von Max Eyth werden die Teilnehmenden angeregt, Techniken als Medien zu begreifen – als etwas, das unsere Welt nicht nur effizienter macht, sondern Gesellschaft grundlegend formt. Das geht weit über das hinaus, was in der Technikfolgeabschätzung prognostiziert wird.
Von Les Chatfield – originally posted to Flickr as Fowler ploughing engine three, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10693360